Du betrachtest gerade Unser Türchen für den ersten Advent

Unser Türchen für den ersten Advent

  • Beitrags-Autor:
  • Beitrags-Kategorie:Allgemein

Dresdner Christstollen

In der letzten Woche kam ein Freund mit einem Dresdner Christstollen in unseren Kurs. Beim ersten Bissen war ich sofort in meine Kindheit zurückversetzt: Der Teig mit den besonderen Gewürzen, Mandeln, dann Orangeat, Zitronat und Rosinen sowie der süße Zuckerguss auf meiner Zunge – und ich war wieder 10 Jahre alt.

Damals, Anfang der 1980er Jahre, warteten wir sehnsüchtig jedes Jahr ab Ende November auf das Paket aus Dresden. Das Warten hatte ein Ende, wenn der Postbote den großen, blauen Pappkarton brachte, auf dem ein romantisches Schneebild der Stadt Dresden dargestellt war mit der Frauenkirche als Mittelpunkt.

Dabei war es in den 1980er Jahren eher ungewöhnlich, einen echten Dresdner Stollen aus der DDR geschickt zu bekommen. Und das geschah so: 

Aufgewachsen bin ich in einem kleinen Dorf in Norddeutschland. Damals gab es noch nicht an jeder Ecke Supermärkte, darum hatte meine Mutter verschiedene Zeitschriften abonniert, die per Post zugestellt wurden. Vorne drauf war ein großer Adressaufkleber. Diese Zeitschriften tauschte sie regelmäßig mit einer Freundin aus und diese nahm die Zeitschriften mit in den Urlaub nach Ungarn. Dort machte zur selben Zeit auch eine Familie aus Dresden Urlaub. Anfang der 1980er Jahre gab es in der DDR nur ein einziges, staatliches Reisebüro, das Reisen ins benachbarte – damals sozialistische – Ausland organisierte. Die Dresdener Familie hatte Glück und durfte nach Ungarn reisen. Dort lernten Sie die Freundin meiner Mutter kennen, die ihnen die ausgelesenen Zeitschriften gab, auf denen vorne noch der Aufkleber mit unserer Adresse klebte.

Die Dresdner Familie schrieb uns dann einen Brief und daraus wurde eine intensive Brieffreundschaft. So schickten wir regelmäßig Schuhkartons in „den Osten“, gefüllt mit Schokolade, Kaffee, Socken oder Strumpfhosen. Und die Dresdner Familie schickte uns jedes Jahr zum ersten Advent einen echten Dresdner Stollen.

Nach der Wende 1989 konnten wir uns gegenseitig besuchen und daraus erwuchs eine lange Freundschaft, die bis heute andauert – über 40 Jahre – entstanden durch einen Adressaufkleber auf einer ausgelesenen Zeitschrift.

Claudia von Aswegen